SWISS QUAKERS

Zusammenkünfte der Quäker

Zusammenkunft zur stillen Andacht (Meeting for Worship)

Eine Quäkerandacht findet statt, wenn zwei oder mehr Menschen das Bedürfnis empfinden, miteinander still zu sein und Gottes Gegenwart zu suchen. Das kann irgendwo und irgendwann vorkommen, aber die Freunde benützen in der Regel nur dann den Begriff „Meeting for Worship“, wenn es sich um das regelmässige Treffen an einem festgelegten Ort handelt. Im gemeinsamen aufmerksamen Warten in der Stille können die Freunde innere Ruhe, Sinnstiftung für ihr Leben sowie Freude und Staunen über die Schöpfung Gottes finden.

Die Stille wird von den Freunden hoch geachtet. Indem sie Druck und Hetze von sich fern halten, kommen sie dazu, sich des inneren und tieferen Sinns ihres individuellen Lebens und der Gemeinschaft bewusst zu werden. Sie werden befähigt, sich selber allmählich anzunehmen und Angst, Bedrängnis, Verwirrung der Gefühle und Eigennutz loszulassen. Diese Stille ist mehr als ein Fehlen von Geräuschen. Äussere Geräusche können zwar bemerkt werden, wie z.B. ein Hundegebell, ein vorbeifahrendes Auto oder ein rufendes Kind, aber ohne Ablenkung zu sein. Sie werden oft nur unbewusst wahrgenommen, wenn sich Freunde dem von Gott in ihnen zu öffnen versuchen. Robert Barclay, ein früher Freund, beschrieb seine Erfahrung während einer Andacht wie folgt: „Ich fand das Böse in mir schwächer werden und das Gute sich entfalten.“

Die Sitzordnung im Meeting for Worship ist in der Regel kreisförmig oder viereckig, um die Teilnehmer gegenseitig bewusst wahrzunehmen und zu spüren, dass sie miteinander in der Andacht verbunden sind. Die Anwesenden kommen zur Ruhe und in der gemeinsamen Suche nach Gottes Willen öffnen sie sich für einander. Dies kann rasch erfolgen oder einen grösseren Teil der Andacht beanspruchen, die gewöhnlich eine Stunde dauert.

Die Stille einer Quäkerandacht unterscheidet sich von der Erfahrung einer traditionellen Einzelmeditation, die üblicherweise tief im Innern als hingebungsvolle Übung für die eigene spirituelle Entwicklung stattfindet. Das Hinhören und Warten ist eine gemeinsame Erfahrung in der Suche der Teilnehmer nach einer Begegnung mit Gott.

Die Freunde können ihre Andacht völlig wortlos abhalten, aber meistens gibt es einige kurze gesprochene Beiträge. Dieser „geistliche Beitrag“ (Ministry) soll für alle ausdrücken, was schon in der Stille gegenwärtig ist. Jeder Teilnehmer kann sich zum Sprechen berufen fühlen, ein Mann, eine Frau oder ein Kind, ein Freund oder eine Person, die zum ersten Mal dabei ist. Die Quellen der gesprochenen Beiträge können sehr verschiedener Art sein und ihre Akzeptanz ist ein wichtiger Teil der Quäkerandacht. Weil die Religiöse Gesellschaft der Freunde zur christlichen Tradition gehört, können die Teilnehmer vom Leben und der Lehre Jesu reden. Sie können auch andere Quellen verwenden oder sich auf das Leben im Alltag beziehen. Ohne auf Einzelheiten des Wortlautes zu achten, versuchen Freunde die Botschaften positiv aufzunehmen und die darin enthaltene Wahrheit zu suchen. Wenn Freunde sich genötigt fühlen, auf einen mündlichen Beitrag zu reagieren, sollten sie sehr vorsichtig sein und versuchen, positiv auf dem Gesagten aufzubauen.

Spezielle Zusammenkünfte

Für besondere Gelegenheiten können die Freunde spezielle Zusammenkünfte abhalten. Wie bei anderen Andachten beginnt eine Versammlung z.B. für eine Hochzeit mit Stille. Ein Freund wird dann den neu Dazugekommenen und Gästen aus der Familie das weitere Vorgehen erklären. Wenn Braut und Bräutigam sich bereit fühlen, stehen sie auf, nehmen einander bei der Hand und geben vor der Versammlung ein Versprechen ab. Im Anschluss daran geht die Andacht mit einer Zeit der Stille weiter. Aus dieser Stille heraus können gesprochene Gebete oder andere Wortmeldungen herauswachsen, die mit den heiratenden Quäker zusammenhängen.

Anlässlich eines Begräbnisses oder eines späteren Gedenkens konzentrieren sich die Quäker während der Andacht in Liebe auf das Leben des Verstorbenen. Es gibt dafür keine andere Form als die übliche Andacht. Als Orte kommen das Krematorium, das Grab oder der angestammte Versammlungsort in Frage. Es ist eine Andacht des Dankes für die Gnade Gottes, die sich im Leben des Verstorbenen offenbart hat, und des Trostes und Mitgefühls für die Zurückgeblieben.